Simone Walther Büel: Was ist ein Ritual genau und wie leben wir damit im Alltag?

​Gastbeitrag von Simone Walther Büel. Mehr über ​sie und ihre Rituale findest du auf www.herzensklänge.ch.

​​«Ohne die Verwendung von Ritualen, wäre das Leben reinstes Chaos.»
Nils Mewus

Das Ritual

Kinder lieben Wiederholungen – das fühlen wir intuitiv und erleben wir ganz konkret, wenn wir mit Kindern in Kontakt sind. Mit Rhythmen und Ritualen, zum Beispiel der «Gute-Nacht-Geschichte» am Abend oder einem Lied singen vor dem Essen, fühlen sich Kinder geborgen. 

Das sich wiederholende Ritual gibt ihnen eine erlebbare Gewissheit, die Welt schon ein wenig zu verstehen. Und so fällt es dem Kind dann auch leichter, Neues in sein Leben hineinkommen zu lassen, weil das Alte schon bestens integriert ist.

Aber was ist mit uns Erwachsenen?
Auch für uns sind Rituale etwas Wohltuendes, wenn wir ehrlich sind. Und jeder von uns wird das eine oder andere Alltagsritual für sich haben, auch wenn er es vielleicht gar nicht als solches erkennt oder betitelt.

​Rituale, das sind die Dinge, die wir ganz bewusst tun, das kann z.B. die tägliche 5 Minuten-Meditation nach dem Aufstehen sein oder der halbstündige Abendspaziergang, den wir uns jeden Donnerstag gönnen. Es kann aber auch sein, dass wir uns vor dem Schlafengehen jeweils noch mit einer Tasse Tee hinsetzen und den Tee mit Bedacht geniessen, Schluck für Schluck. 

Solche kleinen «Erholungsinseln», wo wir uns entschieden für kurze Zeit aus dem Alltagsstress rausnehmen und uns nur auf uns konzentrieren, helfen uns, all die vielen Reize die täglich auf uns einwirken, zu verarbeiten.

Ich behaupte, ohne Rituale wäre unser Leben wirklich ein ziemliches Chaos – ganz so, wie es der Spruch von Nils Mewus, den ich als Eingangszitat gewählt habe, ausdrückt.


​Rituale haben nämlich ganz viel mit dem Rhythmus der Natur zu tun, der in allen von uns schwingt. Das sind zum Beispiel Tag und Nacht, die Jahreszeiten, Ebbe und Flut, Sonne und Mond und noch viele weitere. All diese Dinge wirken auf uns ein, auch wenn wir noch sehr wenig darüber wissen oder viel von diesem intuitiven Wissen vermutlich durch den so genannten Fortschritt vergessen haben. Wir vertrauen zum Beispiel lieber auf künstlichen Dünger, damit unsere Tomaten schön gross und rot werden, statt dass wir sie zum richtigen Mondzeitpunkt pflanzen und damit eine gesunde und starke Pflanze mit vielen schönen, roten und wohlschmeckenden Tomaten geschenkt erhalten.

​Lebensübergänge

Nebst den Alltagsritualen sind für uns Menschen die grossen Rituale der Lebensübergänge sehr wichtig und prägend. Dazu gehören Geburt, Taufe, Übergang ins Erwachsenenleben, Hochzeit, Tod.

Es beginnt bei der Geburt oder eigentlich bereits vorher. Wie bereitet sich ein Paar auf das Kind, welches da kommen will, vor? Wird dem Kleinen zum Beispiel schon während der Schwangerschaft immer wieder ein Lied vorgesungen oder liebevolle Worte zu ihm gesprochen? Und wie gestaltet sich die Geburt? Ist sie mit Hektik verbunden oder können sich Mutter und Kind die für sie nötige Zeit nehmen, ohne dass frühzeitig medizinisch nachgeholfen wird?

Ist der neue kleine Erdenbürger da, ist eine freie Taufe ein wunderbares Ritual, um das Kind ganz bewusst in der Familie aufzunehmen und ihm zu signalisieren, dass es von der Familie aufgenommen ist und getragen wird.

Wenn das Kind das Erwachsenenalter erreicht, hilft ein Ritual den Übergang vom Kind zum Erwachsenen zu begehen und erleichtert damit die Ablösung von den Eltern. Gleichzeitig wird dem jungen Menschen durch ein solches Ritual aufgezeigt, dass er jetzt für sich selbst verantwortlich ist und damit für seine Worte und Taten auch die alleinige Verantwortung trägt.

Kommt die Liebe ins Leben und damit der Wunsch, diese schöne Verbindung mit einem anderen Menschen zusammen mit seinen Liebsten zu feiern und gegenseitig JA zueinander zu sagen, so wirkt dies besonders verbindend, wenn es an einem Ort geschehen kann, der dem Paar viel bedeutet. Viele Paare wünschen sich heute eine Trauung im Freien – verständlich, denn hier ist man viel stärker mit der Natur und mit dem ganzen Kosmos verbunden

​Wenn die Kräfte eines Menschen nachlassen und es Zeit wird Abschied zu nehmen, helfen uns auch hier Rituale, um den geliebten Menschen einfacher gehen lassen zu können und Trost zu finden. Gerade dieser letzte grosse Lebensübergang ist in der heutigen Zeit oft ziemlich an den Rand gedrängt. Wir wollen lieber nichts Wissen vom Tod und weil wir ihn verdrängen, macht er uns Angst. Da können wir uns auf unsere Vorfahren zurückbesinnen, sie hatten oft noch einen ungezwungenen Umgang mit dem Tod. Da sah der Enkel die tote Grossmutter im Bett liegen, wenn die Familie nach dem Tod noch drei Tage Totenwache hielt.

Ordne das Chaos – ritualisiere dein Leben

Ich möchte euch zum Schluss alle ermutigen – bringt noch mehr Rituale in euren Alltag ein und lebt die Rituale, die ihr bereits habt, ganz bewusst aus. Schwingt euch auf die Rhythmen der Natur ein und spürt dadurch die harmonisierende Wirkung auf euer Leben.

Über die Autorin dieses Textes

​Mein Name ist Simone Walther Büel und ich habe meine Berufung in der Gestaltung von freien Zeremonien gefunden. Es ist für mich sehr bereichernd und ein Privileg Menschen bei ihren grossen Lebensübergängen begleiten zu dürfen.

Wenn du mehr über mich und meine Arbeit erfahren möchtest, findest du weitere Informationen auf meiner Homepage: www.herzensklänge.ch

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About the Author

Marisa lebt und arbeitet als Autorin, spirituelle Lehrerin und mediale Beraterin. In ihren Beiträgen schreibt sie zu den aktuellen Themen und Herausforderungen für spirituelle Menschen.

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