Kennst du dieses Gefühl, dass das Alte nicht mehr wirklich passt, das Neue aber noch nirgends zu sehen ist? Vielleicht hast du bereits etwas losgelassen. Vielleicht eine Beziehung, einen Job oder ein altes Selbstbild. Und trotzdem ist da noch kein klares Neues. Stattdessen stehst du im Nebel.
Genau über diese Zeit dazwischen möchte ich heute sprechen. Über diese Zwischenräume, die wir oft so schwer aushalten. Und über die Wahrheit, dass dieses Nicht-Wissen kein Versagen ist, sondern eine heilige Zeit der Vorbereitung.
Wenn das Alte weg ist und das Neue noch nicht da
In unserer Gesellschaft lernen wir früh, dass wir immer unterwegs sein sollen. Von Ziel zu Ziel. Immer weiter. Immer mit einem sichtbaren Ergebnis. Und selbst wenn wir sagen, der Weg sei das Ziel, bleibt oft die Frage offen: Was ist mit dem Raum dazwischen?
Was ist mit den Zeiten, in denen etwas Altes bereits gegangen ist, aber das Neue sich noch nicht zeigt?
Für mich war genau das beim Thema Umzug sehr spürbar. Zwischen der Entscheidung, dass ich umziehen werde und dem tatsächlichen Umzug lag eine lange Zeit. Ein Niemandsland. Eine Zwischenzeit. In meinem Fall dauerte sie fünf Jahre, bis ich das Haus fand, das wirklich gepasst hat. Und genau deshalb ist es mir so wichtig zu sagen: Ein Zwischenraum darf dauern. Er muss nicht nach einer Woche vorbei sein. Und auch nicht nach drei Monaten.
Ein Bild, das ich für Zwischenräume sehr passend finde, ist das der Raupe und des Schmetterlings. Die Raupe frisst und frisst, bis sie bereit ist, sich zu verpuppen. Und dann kommt dieser Kokon-Moment. In diesem Stadium ist sie keine Raupe mehr, aber auch noch kein Schmetterling. Sie ist etwas dazwischen. Ein Übergang. Ein Zustand, in dem sich alles neu ordnet.
Genau so fühlen sich viele Zwischenräume im Leben an. Du bist nicht mehr das Alte. Aber du bist auch noch nicht ganz im Neuen angekommen.

Das Schwierige an diesen Phasen ist oft nicht nur das Warten. Es ist die Leere. Und unser Impuls ist häufig, diese Leere sofort mit Aktionismus zu füllen. Wir wollen etwas tun. Irgendetwas. Hauptsache Bewegung. Hauptsache nicht stillstehen.
Doch nicht jede Handlung ist eine stimmige Handlung. Manchmal geht es gerade nicht darum, irgendetwas zu tun, sondern die Stille auszuhalten. Nicht in blinden Aktionismus zu kippen, sondern ruhig zu bleiben, geerdet zu bleiben und zu akzeptieren, dass es nicht so schnell vorangeht, wie wir es gerne hätten.
Die Angst vor dem Dazwischen
Ein Gedanke, der mir in solchen Zeiten sehr hilft, ist das Gesetz des Vakuums. Das Universum liebt keine Leere. Wenn du das Alte wirklich loslässt, wird das Neue kommen. Aber es braucht manchmal Zeit, bis es entstehen kann. Manchmal hast du im Kopf schon losgelassen, aber dein Herz ist noch nicht ganz so weit. Dann braucht es noch etwas Zeit, bis du wirklich in der neuen Energie ankommst.
Oft ist es gar nicht das Neue, das uns Angst macht. Es ist der Zwischenraum. Ein Teil davon hat mit Kontrollverlust zu tun. Wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht, bekommt unser Ego Panik. Es liebt Sicherheit, Struktur, Stabilität und Routine. Alles, was neu ist, fühlt sich für diesen Anteil in uns erst einmal unsicher an.
Dazu kommt etwas Zweites: Wir haben gelernt, dass wir ständig Ergebnisse liefern müssen. Wir sollen sichtbar sein, produktiv sein, etwas vorweisen können. Wenn wir nichts tun, sieht das im Aussen schnell nach Stillstand aus. Doch nicht jeder Stillstand ist eine Blockade. Manchmal ist er ein heiliger Zwischenraum.
Und dann sind da noch die Glaubenssätze: Ich verschwende Zeit. Ich bin nicht produktiv. Die anderen ziehen an mir vorbei. Gerade solche inneren Sätze können es schwer machen, die Ruhe anzunehmen. Für mich ist es ganz wichtig zu verstehen, dass der Zwischenraum kein verlorener Raum ist. Es ist der Moment, in dem sich deine Energie neu sortiert.
Stell dir einen Acker vor. Du hast geerntet. Das Feld ist leer. Wenn du sofort wieder säst, ohne dem Boden Zeit zur Regeneration zu geben, wird die nächste Ernte schwach sein. Genau so ist es auch mit dir. In Zwischenräumen regenerierst du dich. Du heilst. Du hörst hin. Und du darfst dich fragen: Wer bin ich eigentlich, wenn ich gerade keine Rolle erfülle? Wenn ich gerade nicht funktioniere?
Was dir in dieser Zeit helfen kann
Was mir in solchen Phasen hilft, ist zuerst einmal Hingabe, statt Kampf. Nicht versuchen, den Nebel mit Gewalt wegzupusten, sondern anzuerkennen: Ich weiss gerade nicht, wie es weitergeht. Aber ich bin okay. Hilfreich ist auch, kleine Freuden zu pflegen. Einen guten Tee trinken. Spazieren gehen. Die Sonne im Gesicht spüren. Etwas tun, das erdet und gut tut.
Und dann ist da das Vertrauen. Dich an frühere Phasen erinnern, in denen du auch nicht wusstest, wie es weitergeht. Und rückblickend erkennen, dass genau daraus etwas Richtiges entstanden ist. Auch Schreiben kann helfen. Einfach die eigenen Gefühle festhalten und wahrnehmen, was sich gerade zeigen möchte. Wenn du gerade in einem Zwischenraum stehst, dann atme tief durch.
Du bist nicht verloren. Du bist in der Entstehung. Das Neue braucht keine Eile. Es braucht deine Präsenz. Es wird entstehen, wenn die Zeit richtig ist.
Vielleicht magst du dich heute fragen:
In welchem Bereich meines Lebens darf ich gerade ganz bewusst im Niemandsland sein, ohne sofort eine Lösung zu erzwingen?
Alles Liebe,
Marisa
