Viele Menschen tragen gerade ein seltsames Gefühl in sich: eine Leere, eine Sehnsucht – obwohl wir objektiv im Überfluss leben. Wir haben Zugang zu mehr als je zuvor und trotzdem nagt da etwas. Ein Hunger, der sich nicht stillen lässt. Laut den Q'ero-Schamanen aus den Anden hat dieses Gefühl einen konkreten Grund: Die weibliche Frequenz fehlt. Und zwar nicht ein bisschen – sondern sehr stark, gerade auf der Führungsebene unseres Lebens. Das ändert sich jetzt. Und wir können aktiv Teil dieses Wandels sein.
Das neue Zeitalter: Taripay Pacha
Die Q'ero, die Schamanen aus den südamerikanischen Anden, sprechen vom Pachakuti – der grossen Zeit der Umkehr, in der die Welt Kopf steht. Es ist wie eine Sanduhr, die gerade umgedreht wird. Alles gerät in Bewegung, vieles fühlt sich instabil an. Aber aus dieser Instabilität entsteht etwas Neues. Das neue Zeitalter, das daraus hervorgeht, heisst Taripay Pacha – das Zeitalter, in dem wir uns wieder begegnen.
Und wer führt dieses Zeitalter an? Die Frauen.
Das klingt vielleicht provokativ – ist es aber nicht. Es geht nicht darum, Männer schlecht zu reden oder ein neues Ungleichgewicht zu schaffen. Die Q'ero sprechen von Balance, vom Prinzip von Yin und Yang. Die letzten 500 Jahre – und wahrscheinlich noch viel länger – waren geprägt von einer sehr einseitigen Energie: Machen, Kontrollieren, Erobern, Hierarchien. Dieser Kurs hat uns viel gebracht, zum Beispiel technologischen Fortschritt. Aber er hat auch tiefe Spuren hinterlassen: Erschöpfung, Trennung, das Gefühl, nie genug zu sein.
Jetzt geht es darum, das Pendel in eine Mitte zu bringen. Und weil es so lange so stark auf einer Seite war, braucht es zunächst eine Gegenbewegung: die weiblichen Energien wieder wirklich in ihre Kraft zu lassen. Empfangen, Nähren, Intuition, Miteinander – nicht als Gegensatz zur männlichen Energie, sondern als ihr dringend benötigtes Gleichgewicht.
Frauen als Weberinnen der Gemeinschaft
Die Q'ero sagen: Frauen sind die Weberinnen der Gesellschaft. Sie sind diejenigen, die das Gewebe des Lebens flicken, wenn es zerrissen ist. Dieses Bild taucht nicht nur in den Anden auf – auch bei den nordamerikanischen Naturvölkern gibt es die Göttin "Spinnenfrau" (Grandmother Spider Woman), die grossen Weberin des Lebens, die Verbindungen knüpft und das Netz des Miteinanders aufrecht hält.
Das Patriarchat hat uns beigebracht, andere Frauen als Konkurrentinnen zu sehen. Als Bedrohung. Als jemanden, der uns den Platz wegnimmt. Das ist eine der grössten Lügen, die uns erzählt wurde. Denn in Wahrheit sind Frauen, die sich gegenseitig stärken, unendlich mächtiger als Frauen, die sich gegenseitig schwächen. Gemeinschaft statt Konkurrenz – das ist nicht nur eine schöne Idee. Es ist eine der kraftvollsten Antworten auf die Zeit, in der wir leben.

Wenn wir an Weiblichkeit denken, kommt schnell das Klischee von der sanften, passiven und angepassten Frau. Die Q'ero zeigen ein völlig anderes Bild – und es ist eines, das uns wirklich berühren kann.
Die weibliche Urkraft ist wild, klar und unbändig. Es ist die Kraft der Erde selbst, die Kraft von Pacha Mama. Stell dir einen Vulkansee vor er ist ruhig, tief, von wunderbarer Schönheit an der Oberfläche. Aber darunter herrscht der Vulkan – mit einer unbändigen Energie, die ausbrechen kann, wenn sie es will. Diese Spannung zwischen Stille und Urgewalt, zwischen Tiefe und Macht – das ist die weibliche Urkraft.
Man kann sie auch spüren, wenn man an Geburt denkt. An die Kraft, die eine Frau in sich trägt, um Leben auf die Welt zu bringen. Diese rohe, pure, gewaltige Energie – das ist Weiblichkeit. Nicht das brave Lächeln. Nicht die Anpassung an patriarchale Strukturen.
Und das bedeutet für uns ganz konkret, dass wir nicht lauter schreien müssen oder härter arbeiten, um gesehen zu werden. Wir müssen nicht versuchen, bessere Männer zu sein. Unsere Macht liegt in unserer Präsenz. In dem Moment, in dem eine Frau wirklich in ihrer Mitte ist, verändert sie den ganzen Raum – einfach dadurch, dass sie da ist. Das kannst du bewusst ausprobieren: Geh in einen Raum, lass deine Aura sprechen, halte den Raum – und beobachte, was passiert.
So aktivierst du diese Kraft – drei konkrete Wege
Die Q'ero geben uns praktische Wege, wie wir diese weibliche Urkraft im Alltag wirklich leben können. Es geht um bewusste kleine Schritte, die nach und nach etwas verändern.
Höre auf deine Intuition.
Das klingt einfach und ist es gleichzeitig nicht, weil wir so trainiert wurden, dem Verstand zu vertrauen und das Bauchgefühl zu ignorieren. Aber hier ist eine einfache Regel, wenn dein Kopf ja brüllt, dein Bauch aber nein schreit, höre auf den Bauch. Der hat immer recht. Die Intuition ist eine zutiefst weibliche Qualität und sie zu stärken ist einer der direktesten Wege zurück in die eigene Kraft.
Wähle Gemeinschaft statt Konkurrenz.
Unterstütze eine andere Frau. Teile dein Wissen. Sei grosszügig mit deiner Zeit, deiner Energie, deinem Wissen. Je mehr wir teilen und weitergeben, desto stärker wird das Netz. Und je offener du über deinen eigenen Weg sprichst, desto mehr Erlaubnis gibst du anderen, sich dir gegenüber ebenfalls zu öffnen. Das ist kein Zufall, das ist das Weben der Gemeinschaft in Aktion.

Verbinde dich mit deinem Becken.
Eine einfache, aber tiefe Übung: Nimm dir täglich drei Minuten Zeit. Leg die Hände auf deinen Unterbauch, auf dein Sakralchakra. Schliess die Augen und atme ganz bewusst dorthin. Fühle die Wärme, die aus deinen Händen fliesst und sag dir innerlich: Ich bin hier. Ich bin verbunden. Ich bin kraftvoll. Das Becken ist das Zentrum der Weiblichkeit, der Schöpfung, der Lust und der Erdung. Es ist unsere Verbindung zu Pachamama, zur Erde selbst. Wenn du dort nichts fühlen kannst oder unruhig wirst – das ist auch eine Information. Atme durch die Unruhe durch. Akzeptiere, was da ist. Das ist der Anfang der Verbindung.
Wir sind nicht hier, um abzuwarten, bis der Wandel vorbei ist. Wir sind der Wandel. Gerade wir Frauen.
Alles Liebe,
Marisa
