482 – Warum wir uns vergleichen – und wie du sanft aus der Spirale aussteigst

Im Leben gibt es immer mal wieder diesen Moment: Du siehst jemanden, der scheinbar alles im Griff hat. Und sofort geht dir dieser Satz durch den Kopf: Ich bin weniger gut, als dieser Mensch. Ich kann es nicht. Ich bin nicht gut genug. Und plötzlich ist dein eigener Wert, dein eigener Weg, wie ausgelöscht.

In dieser Folge möchte ich mit dir anschauen, warum wir uns vergleichen, was dahinter steckt – und wie du sanft aus dieser Spirale aussteigen kannst.

Vergleichen ist nicht oberflächlich - drück es nicht weg, schau hin

Vergleichen ist nicht einfach nur ein oberflächliches Denken: Andere sind schöner, grösser oder erfolgreicher als ich. Vergleichen ist oft ein Versuch, über das Nervensystem Sicherheit zu bekommen.

Dein Nervensystem scannt: Bin ich sicher? Bin ich dabei? Gehöre ich zur Gruppe? Genüge ich? Entwicklungstechnisch macht das total viel Sinn. Früher war es so, dass wenn wir nicht zur Gruppe gehört haben, die Gefahr gross war, ausgeschlossen zu werden. Und ausgeschlossen zu werden, konnte lebensgefährlich sein.

Und dennoch birgt dieses Scannen ein grosses Problem: Du misst dich mit fremden Massstäben. Vergleichen bedeutet, dass du nicht deinen eigenen Massstab nimmst, sondern irgendeinen fremden.

Wenn du dich vergleichst, hat das nicht einfach mit Neid zu tun. Vergleichen ist oft die Angst, nicht zu genügen. Und hinter dieser Angst steckt – ganz tief – die alte Angst, verjagt zu werden, ausgeschlossen zu werden, einsam zu sein.

Heute leben wir nicht mehr in einer Welt, in der du einsam im Wald sterben wirst. Und genau darum geht es ums Hinschauen.

Der erste Schritt ist nicht, das Vergleichen wegzudrücken. Sondern zu merken: Ah, ich vergleiche mich gerade. Und wenn du spürst, dass du bei diesem Vergleich nicht gut davon kommst, dann stelle dir drei Fragen.

Diese Fragen können dich ein bisschen triggern – und genau darum sind sie so wichtig:

  1. Wobei genau fühle ich mich nicht gut genug?
    Ist es das Aussehen? Der Erfolg? Die Spiritualität? Das Geld? Die Beziehung? Der Körper? Was ist es genau?
  2. Was glaube ich, sagt dies über mich aus?
    Wenn ich weniger Geld habe  als mein Nachbar – was sagt das über mich? Wenn ich eine weniger grosse Familie habe als die Nachbarin – was bedeutet das für mich?
  3. Was wünsche ich mir wirklich?

Wenn du dir diese Fragen ehrlich beantwortest, erkennst du oft: Du bist nicht schlechter als die anderen. Diese Fragen zeigen dir vielmehr, wonach du dich sehnst und wohin du möchtest in deinem Leben.

Du musst dich nicht beschimpfen, um zu wachsen

Ich spreche oft darüber, dass man sich nicht vergleichen sollte. Gerade in Ausbildungen kann dieses Vergleichsspiel schnell anfangen. Aber hier ist das kleine Problem: Wenn ich dir verbiete, dich zu vergleichen, mache ich noch mehr Druck.

Darum ist die Einladung: Wähle den sanften Weg. Wenn du merkst, du vergleichst dich gerade, dann könntest du zum Beispiel innerlich sagen:

  • Da ist ja dieses Muster wieder. Das kenne ich.
  • Hey, ich muss mich nicht beschimpfen, um zu wachsen. Ich darf in sanften Worten zu mir sprechen und wachse trotzdem.
  • Ich darf mich halten. Ich darf den Raum für mich halten. Ich darf mich sehen in dem, was ich gerade mache.

Und dann kannst du anfangen, dir Sätze zu sagen wie:

  • Ich sehe, dass es gerade weh tut.
  • Ich bin nicht weniger.
  • Ich bin anders.
  • Ich gehe einfach in meinem Tempo.

Es geht nicht darum, dass es das „richtige“ Tempo ist. Sondern darum, dass es dein Tempo ist.

Vergleichen ist auch strukturell – und wird oft noch verstärkt

Das Vergleichen kommt nicht nur aus „früheren Zeiten“. Es ist auch sehr patriarchale strukturiert. Gerade Frauen werden oft bewusst verglichen und kollektiv in Schemas gedrückt.

Und auch in der spirituellen Szene kann dieses Vergleichsspiel auftauchen: Aussagen wie „Du bist noch nicht so weit“ oder „Ich mache Lichtnahrung, dann bin ich reiner und weiter als die anderen“ sind am Ende wieder nur Vergleich – und Druck.

Ein Satz ist mir hier besonders wichtig: Du bist nicht falsch, weil du dich vergleichst. Du bist konditioniert.

Diese Konditionierung beginnt oft sehr früh. In der Schule gibt es Noten, Leistung, Rankings, richtig und falsch. Wenn du gut warst, bekommst du Lob. Wenn nicht, wirst du ignoriert. Und so lernen viele schon als Kinder: Liebe und Anerkennung gibt es nur dann, wenn ich besser bin, als die anderen.

Was daraus entstehen kann: Perfektionismus. Angst vor Sichtbarkeit. Eine riesige Angst, Fehler zu machen. Und bei vielen Menschen führt das dazu, dass sie gar nicht erst anfangen.

In der Podcast-Folge teile ich eine kraftvoll Übung mit dir und drei Tools, um aus dem Vergleich auszusteigen, höre die Folge also umbedingt an.

Meine Fragen für dich zum Abschluss: Wobei vergleichst du dich am meisten? Und was wäre ein sanfter erster Schritt zurück zu dir?

Alles Liebe,

Marisa


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