Wenn du hochsensibel bist – oder auch nur die Vermutung hast, dass du hochsensibel sein könntest – dann kennst du das vermutlich sehr gut: Es ist nicht nur im Kopf viel los, sondern im ganzen Körper. Mehr Eindrücke, mehr Stimmungen, mehr Geräusche, mehr Zwischentöne. Genau darum liebe ich Atemübungen, denn sie holen uns alle schnell aus dem Kopf zurück in den Körper.
Ich weiss, ich sage es immer wieder und ich werde nicht müde werden, es zu betonen. Denke daran, Hochsensibilität ist eine Gabe. Ein Geschenk. Keine Bürde.
Dennoch kann es sich im Alltag schnell wie Überforderung anfühlen – vor allem dann, wenn dein System schon voll ist. Genau da kommt Atemarbeit ins Spiel.
Wenn das System voll ist, braucht es nicht noch mehr Input
Wenn man innerlich schon zu voll bist, bringt es nichts, noch mehr zu sammeln, noch mehr zu analysieren oder noch mehr zu verstehen. Dann braucht es eine Entlastung. Genau darum sind Atemübungen für Hochsensible so wertvoll, weil sie direkt im Nervensystem ankommen. Der absolut schnellste Weg zu dieser Entlastung ist das Ausatmen. Langes Ausatmen ist eine der einfachsten Atemübungen, weil man sie überall machen kann.
Das Beste daran ist, dass du das nicht verstehen musst. Du darfst direkt regulieren – schnell, sanft und wirksam.
Atemarbeit bringt dich ins Hier und Jetzt. Sie bringt dich zurück in deinen Körper.
Und das lange Ausatmen ist wie ein Signal an dein System:
- Du darfst runterfahren.
- Du bist sicher.
- Du bist geschützt.
- Du bist geerdet.
Genau in diesem Moment wird Klarheit wieder möglich.

Ich arbeite schon sehr lange mit dem Atem. In den letzten Jahren – auch durch meine eigene Trauma-Aufarbeitung – ist mir noch bewusster geworden, wie kraftvoll diese Tools sind. Sie helfen mir, in die Ruhe und in die Harmonie zurückzukommen und meinem Körper zu signalisieren, dass alles in Ordnung ist.
Vier Atem-Tools, die du sofort nutzen kannst
Du kannst Atemübungen überall machen: beim Warten auf den Bus, an der roten Ampel, auf dem Heimweg nach einem intensiven Tag oder nach der Begegnung mit vielen Menschen. Ich möchte dir hier bewusst nur eine Übung dalassen, damit du direkt spüren kannst, wie schnell dein System reagiert – mit einer kleinen Atemübung, die du sofort nutzen kannst:
4 Sekunden ein – 6 bis 8 Sekunden aus (3 Runden)
So geht’s:
- Atme 4 Sekunden ein.
- Atme 6 bis 8 Sekunden aus (finde deinen Rhythmus zwischen 6 und 8 Sekunden).
- Wiederhole das 3 Mal.
Du investierst nicht mal eine Minute – und gibst deinem Körper ein klares Signal in Richtung Sicherheit. Diese kurze Atemübungen ist wie ein Reset-Knopf, wenn dein System übervoll ist.
Wenn du direkt merkst, das hilft dir und es geht dir beim Atmen besser, dann hör unbedingt in die Podcast-Folge rein. Dort nehme ich dich noch viel tiefer mit ins Thema und teile meine Lieblings-Tools, die ich selbst ständig nutze (Seufzer-Atem, Summen/Tönen und mein absolutes Go-to: die Lippenbremse) – und wir machen zusammen eine kleine Praxisübung, damit du herausfindest, was für dich am besten passt.
Wo du Atemarbeit im Alltag einsetzen kannst
Ich nutze diese Tools besonders gern vor dem Schlafengehen, nach Gesprächen mit anderen Menschen oder nach dem Unterrichten – und auch auf dem Heimweg aus der Stadt, wenn mein System nach vielen Eindrücken wieder runterfahren möchte. Eigentlich immer dann, wenn ich merke, dass ich nicht mehr ganz bei mir bin.
Aber denke daran. Falls du es mal vergisst, sei sanft mit dir selbst: Es ist ein Training. Wahrscheinlich wirst du es wieder vergessen und irgendwann kommt es dir wieder in den Sinn. Das ist okay.
Es braucht nur 30 Sekunden – und die Achtsamkeit, es in dem Moment auch wirklich zu tun. Und je öfter du Atemübungen im Alltag nutzt, desto schneller erinnert sich dein Körper an Sicherheit.
Wenn du magst, schreib mir in die Kommentare: Welches Tool passt am besten zu dir?
Alles Liebe,
Marisa
