523 – Radikal unperfekt: Warum du nicht fertig geheilt sein musst, um gross zu sein

Wie viele spirituelle Bücher stehen in deinem Regal? Wie viele Kurse, Meditationen oder Heilsitzungen hast du in den letzten Jahren besucht? Und die wichtigste Frage dabei ist, ob du jetzt das Gefühl hast, angekommen zu sein? Oder ertappst du dich dabei, wie du dir innerlich sagst, dass du erst dann endlich frei bist, wenn du dein inneres Kind geheilt und diese und jene Blockade gelöst hast?

Wir haben in der spirituellen Szene eine riesige Leistungsfalle aufgebaut. Wir haben das höher, schneller, weiter unserer leistungsorientierten Welt eins zu eins in die Spiritualität kopiert. Wir jagen einer Heilung hinterher, die immer in der Zukunft liegt. Doch diese ständige Suche ist der Grund, warum du nie ankommst. Lass uns die spirituelle Brille abnehmen und erkennen, warum du hier und jetzt dein Ziel bereits erreicht hast.

Die Sucht nach dem Aha-Moment und die Mangelfrequenz

Wir leben in einer Welt, in der nur Bestnoten belohnt werden und genau dieses Muster treibt uns auch in der Spiritualität an. Wir jagen regelrecht einem Aha-Effekt hinterher. Man könnte es fast als eine Sucht nach dem nächsten Durchbruch bezeichnen. Das Paradoxe daran ist die Biologie, denn mit jeder neuen Erkenntnis schüttet dein Gehirn Dopamin aus. Genau wie beim Scrollen auf Social Media erleben wir bei einem scheinbaren Durchbruch ein kurzes spirituelles Dopamin-High. Es fühlt sich kurzfristig grossartig an. Doch kurz darauf sackt die Energie unweigerlich wieder ab. Dein Ego schaltet sofort in den Jagdmodus und sucht nach dem nächsten Kick – dem nächsten Buch, dem nächsten Tool, dem nächsten Channeling. So wird die spirituelle Arbeit zur Flucht vor dem echten Leben.

Gleichzeitig manövrierst du dich durch diese dauerhafte Suche in eine Mangelfrequenz. Wenn dein Fokus permanent darauf gerichtet ist, was noch fehlt, sendest du unbewusst die Schwingung aus, dass du unvollständig und so, wie du bist, nicht richtig bist. Das Universum und deine eigene Seele spiegeln dir daraufhin nur eines, deine endlose Suche im Mangel. Ich erinnere mich gut an meine Zwanziger, als ich mir sehnlichst einen Partner wünschte. Alle sagten mir, dass ich aufhören soll zu suchen, dann würde er kommen. Es dauerte lange, bis ich begriff, dass ich die Frequenz von „Mir fehlt etwas“ drehen musste hin zu „So, wie ich bin, bin ich grandios".

Das spirituelle Ego und der Mut zur Imperfektion

Die nächste grosse Hürde auf diesem Weg ist das spirituelle Ego. Denn das Ego ist clever, wenn es dich nicht mehr mit Konsum oder Karriere ablenken kann, weil du dich der Spiritualität zuwendest, tarnt es sich einfach als der ewige spirituelle Sucher. Es erschafft das Selbstbild einer verletzten Seele, die erst noch unendlich viel an sich arbeiten muss, bevor sie gross und sichtbar werden darf. Das ist eine der subtilsten Formen der Selbstsabotage, um nicht ins Handeln kommen zu müssen. Als ich Anfang 2019 meinen Podcast startete, war ich keineswegs fertig mit meiner Entwicklung. Hätte ich gewartet, bis ich alles weiss und vollendet bin, gäbe es Seelenschimmer heute nicht. Es ist viel schöner, authentisch das zu teilen, was im Moment da ist und den Menschen zu zeigen, dass man kein erleuchteter Guru ist, der über den Dingen schwebt.

Ich kenne die Geschichte meiner eigenen Seele sehr genau. Und ich kann dir mit absoluter Sicherheit sagen, dass wir nicht hier auf der Erde, sind um alles richtig zu machen. Wir sind hier, um unperfekte Erfahrungen zu machen. Wahre Entwicklung funktioniert nicht im Korsett der Perfektion. Sie braucht den Mut, Fehler zu machen, wieder aufzustehen und sich in all den Momenten, in denen es nicht gut läuft, genauso bedingungslos anzunehmen. Ich habe das grosse Glück, einen Kreis von vertrauten Freundinnen zu haben, bei denen es keine Missgunst gibt. Sie sagen mir, dass ich jeden Fehler fünfzig Mal machen darf und sei werden auch beim fünfzigsten Mal an meiner Seite stehen. Genau diese Energie der bedingungslosen Annahme gibt uns die Sicherheit und die Kraft für die kleinen, entscheidenden Schritte im Leben.

Warum ein Stein einfach ein Stein ist und wie du ankommst

Es wird Zeit, dass wir diese spirituelle Brille absetzen, durch die wir jedes Ereignis im Alltag totheilen wollen. Jeder Streit mit dem Partner, jeder Schnupfen wird sofort seziert und man muss wissen, welches Karma dahinter stecken könnte oder welches Tor im Human Design das denn gerade spiegelt. Oder welches Ahnenthema da gerade am Werk ist. Wir analysieren uns sprichwörtlich zu Tode, anstatt zu leben. In meinem Team gibt es seit Jahren den Spruch: Manchmal ist ein Stein einfach nur ein Stein.
Es ist völlig okay, wenn eine Erkältung einfach nur eine Erkältung ist und kein Aufstiegssymptom. Wer seine Krankheit sofort spirituell wegrationalisiert, verwehrt seinem Körper die echte Erholung. Spiritualität ist nichts Abgehobenes, sondern zeigt sich darin, wie präsent und liebevoll du beim Abwaschen, Staubsaugen oder in deinen Beziehungen bist.

Ankommen ist kein Zustand am Ende eines langen, anstrengenden Weges, es ist dein gegenwärtiges Naturell. Du bist nicht deine Themen oder deine Blockaden. Du bist unversehrtes Bewusstsein und eine in sich perfekte Seele, die für menschliche Erfahrungen inkarniert ist. Wenn du aus dem Hamsterrad der Selbstoptimierung aussteigen willst, habe ich in dieser Podcast-Folge wertvolle Tipps für dich.

Du bist perfekt, so wie du bist. Du bist schon da.

Alles Liebe,

Marisa


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