Radikale Selbstakzeptanz klingt für viele Menschen nach Aufgeben. Nach: Dann bleibe ich halt einfach so, wie ich bin. Aber für mich ist radikale Selbstakzeptanz etwas ganz anderes. Es ist der Moment, in dem du aufhörst, gegen dich selbst zu kämpfen. Und genau dort beginnt Veränderung – nicht aus Druck, vielmehr aus Liebe.
In dieser Folge schauen wir gemeinsam an, was radikale Selbstakzeptanz wirklich ist, warum sie so schwer sein kann und warum sie für mich der Schlüssel zu allem ist.
Warum Selbstakzeptanz der Schlüssel zu allem ist
Selbstakzeptanz wird oft missverstanden. Sie bedeutet nicht, dass du alles an dir gut finden musst. Und sie bedeutet auch nicht, dass du nie mehr etwas verändern darfst.
Radikale Selbstakzeptanz bedeutet für mich:
- Ich höre auf, mich zu beschämen für das, was gerade da ist.
- Ich höre auf, mich innerlich zu beschimpfen.
- Ich höre auf, mich zu verlassen, wenn es schwierig wird.
Dieser Satz ist mir besonders wichtig: Ich höre auf, mich zu verlassen, wenn es schwierig wird.
Und ja. Du kannst Dinge verändern. Aber du veränderst sie, ohne dich dafür zu hassen. Selbstakzeptanz ist kein Stillstand. Sie ist ein sicherer Boden, auf dem etwas Neues entstehen kann.
Wenn du innerlich die ganze Zeit gegen dich selbst ankämpfst, bist du im Kampfmodus. Dann bist du im Überlebensmodus. Und wenn du im Überlebensmodus bist, kann dein Nervensystem nicht entspannen. In diesem Zustand geht es nicht ums Wachsen. Es geht ums Funktionieren. Selbstakzeptanz bringt dich weg vom reinen Funktionieren. Sie bringt dein Nervensystem in Beruhigung. Und erst dann wird es in dir wieder ruhiger. Du bekommst wieder Luft. Du kannst wieder klar sehen.
Akzeptanz macht dich ehrlich. Und diese Ehrlichkeit braucht es, um wirklich hinzuschauen und wirklich wachsen zu können. Für mich ist diese Ehrlichkeit eine echte Macht. In dem Moment, in dem du hinschaust, was wirklich los ist – ohne Ausreden, aber auch ohne Peitsche – kannst du stimmig handeln.
Der grosse Unterschied: Aufgeben, Selbstkritik und Selbstakzeptanz
Viele Menschen wollen sich verändern, während sie sich gleichzeitig innerlich ablehnen. Sie möchten wachsen, während sie überzeugt sind, dass sie schlecht sind, so wie sie sind. Das ist, wie wenn du wachsen willst und dir gleichzeitig den Boden unter den Füssen wegziehst. Wenn du keinen Nährboden hast, wie willst du wachsen?
Und genau hier wird verständlich, warum Selbstakzeptanz sich am Anfang schwierig anfühlen kann. Es ist nicht einfach nur schön und nicht einfach nur rosa Wölkchen. Für viele Menschen fühlt es sich zuerst sogar gefährlich an.
Weil wir gelernt haben, dass wir nur dann vorwärts kommen, wenn wir streng mit uns sind. Dass wir uns ständig korrigieren, optimieren, anpassen und verändern müssen, um liebenswert zu sein.
Wenn wir an Schule denken, dann sehen wir ein System von Noten, Vergleichen, richtig und falsch. Wir werden für Leistung gelobt. Und für das, was wir nicht so gut machen, werden wir kritisiert – oder einfach nicht beachtet. Das kann Scham auslösen.
Ich erinnere mich an Situationen, in denen Kinder im Sport gewählt wurden. Dieses Warten, bis man vielleicht als Letztes gewählt wird – das hat so viel mit Scham zu tun.
Oder ich denke an einen Englischlehrer, der uns aufstehen liess und Wörter abfragte. Wenn du das Wort als Erstes gesagt hast, durftest du dich hinsetzen. Wenn du nicht schnell genug warst, musstest du stehen bleiben. Und dieses Stehenbleiben konnte sich anfühlen wie das Gefühl von „Ich bin nicht genug.“
Wir werden oft nicht dafür geliebt, dass wir sind, sondern dafür, dass wir funktionieren. Und das ist extrem ungesund und destruktiv für den Menschen und das Nervensystem.
Drei Missverständnisse über Selbstakzeptanz
Wenn ich mich akzeptiere, werde ich bequem
In der spirituellen Szene gibt es manchmal dieses Selbstoptimieren. Immer besser werden, Karma abarbeiten, immer weiter und weiter und weiter. Und dann entsteht ein ungesundes Missverständnis: Wenn ich mich selbst akzeptiere, werde ich bequem. Aber nein - Du wirst nicht bequem. Du wirst stabil. Dein Nervensystem kommt in die Ruhe. Und Stabilität ist die Basis für echte Veränderung.
Akzeptanz bedeutet, dass ich alles gut finde
Akzeptanz bedeutet nicht, dass du alles gut findest. Ich finde auch nicht alles gut, was an mir ist. Aber ich beschäme mich nicht dafür. Es geht darum, dass du die Fehler, die du an dir sehen kannst, liebevoll annimmst, ohne den inneren Kritiker auf dich loszulassen.
Für Selbstakzeptanz muss ich mich zuerst lieben
Ich bin sehr dafür, dass du dich liebst. Du bist grossartig. Und du hast es verdient, von dir selbst geliebt zu werden. Aber für manche Menschen ist Selbstliebe am Anfang zu gross. Selbstakzeptanz ist oft ein machbarer Schritt. Wenn du also spürst, dass du von der Selbstliebe entfernt bist, dann arbeite mit der Selbstakzeptanz. Lerne dich selbst kennen. Geh in die Akzeptanz dessen, was du bist – und feiere dich für das, was du bist.
In der Podcast-Folge teile ich meine fünf einfachen Tools für radikale Selbstakzeptanz im Alltag. Für mich ist es wichtig, dass du verstehst, dass Radikal nicht bedeutet, dass es laut ist. Radikal bedeutet, dass du bei dir selbst bleibst. Radikale Selbstakzeptanz ist der Schlüssel, der dich nach Hause bringt. Du musst nicht perfekt sein, du musst nur du sein.
Alles Liebe,
Marisa
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